Weltpremiere

9. September 2006

7er-Club Endfahren

Am Samstag 9. September fand in Basel das traditionelle 7er-Club Endfahren statt. Dies ist ein kleiner, aber feiner Anlass, der abwechslungsweise bei einem der Mitglieder des 7er-Clubs stattfindet. Nun wird sich mancher fragen, was dies mit einer Weltpremiere zu tun hat?

Ziemlich viel, aber fangen wir doch vor rund drei Jahren an mit der Geschichte.

Wir haben in Basel ein wunderschönes Trainings- und Wettkampfgelände, das von vielen Brückenpfeilern und der Grossschiffart geprägt ist. Die Pfeiler, dieser grössten gedeckten Wettkampfstrecke der Schweiz, sind rund 14m hoch. Zusätzlich verjüngen sich die Pfeiler der Autobrücke um rund 3m zum Wasser hin. Dies sind äusserst ungünstige Bedingungen um einen Arbeitsplatz für Kampfrichter zu schaffen. Der Bau eines „Adlerhorsts“ wäre riskant, teuer und die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn, dem Besitzer der Eisenbahnbrücke, äusserst schwierig. Ein weiteres Problem bildet die Distanz der Pfeiler zum Ufer. Mit rund 60m Distanz zum Ufer wird die Bewertung der Zielnote äusserst schwierig. Eine Bewertung der Zielnote am Pfeiler der Eisenbahnbrücke ist bei einer Distanz zum Ufer von rund 110m kaum möglich. Im Herbst 2003 sassen einige unserer Mitglieder nach dem Training am Rheinufer und philosophierten über ein Saisonendfahren. Es kamen die wildesten Ideen auf. Endlich hat uns die Realität aber doch eingeholt. Die Breite des Rheins und die Grossschiffart macht es unmöglich Kabel für Durchfahrten zu spannen. Die Ausrüstung der Brückenpfeiler wird aufwendig und teuer. Welche Möglichkeiten gibt es diese Probleme zu lösen? Es verging eine Zeit, bis diese Diskussionen Während der Saison 2004 wieder auftauchten. Die ersten Ideen wurden ein wenig konkreter gefasst und es entstanden erste Pläne die Bewertung der Pfeiler zu revolutionieren. Im Winter haben wir dann unsere Anforderungen konkretisiert. Unser Einrichtung sollte verschiedene Anforderungen erfüllen:

* wir müssen den Kampfrichtern ein Hilfsmittel zur Verfügung stellen, dass es erlaubt die Zielnoten und den Winkel korrekt und reproduzierbar zu messen

* unsere Einrichtung muss einfach zu montieren sein. Sie muss auch an wechselnde Wasserstände anpassbar sein

* Die ganze Konstruktion muss einfach zu bauen sein und sich auf einem normalen Autodachträger transportiert werden können.

* Die Kosten müssen für den Verein tragbar sein.

* Die Konstruktion muss den eher rauen Umgang im Rahmen eines Wettfahrens aushalten können.

Die erste Machbarkeitsstudie hat im Winter in unserem Garten stattgefunden. Meine Frau ist mit einem Brett auf dem Kopf durch den Garten marschiert, während ich mit drei Unterschiedlichen Kameras aus verschiedenen Höhen Aufnahmen gemacht habe. Zur Freude unserer Nachbarn hatte ich einige Probleme mit einer Kamera, was uns dazu zwang weitere Versuche durchzuführen. Endlich hat diese Übung gezeigt, dass mit einer gängigen Netzwerkkamera brauchbare Aufzeichnungen möglich sind.

In einem weiteren Schritt haben wir am Pfeiler unserer Schiffsverhängung einen Galgen aus Holz gebaut, um zu zeigen, dass die Idee mit dem Strahlensatz auch wirklich funktioniert. Bei diesem Test haben wir mit Hilfe eines markierten Spanntaus die Distanzen zum Pfeiler genau abgemessen. Die Aufzeichnungen haben den Beweis erbracht, dass es mit Hilfe der Farbmarkierungen auf dem Ausleger einfach und präzise möglich ist die Zielnote zu bestimmen. Im Weiteren haben wir erste Aufnahmen bzgl. des Winkels untersucht. Es war ein richtig kalter Wintertag aber irgendwie wollten alle noch mehr ausprobieren. Die Euphorie war geweckt nun musste das Ganze auch umgesetzt werden.

Mit Festigkeitstabellen bewaffnet wurden verschieden Konstruktionen durchgerechnet. Es galt die Kräfte zu bestimmen, die auf den Ausleger, die Abspannungen, die Scharniere und die tragende Säule wirken werden.

Bald war es klar, dass keine Stahlkonstruktion in Frage kommt. Das Gewicht wäre viel zu gross um von zwei Mann montiert werden zu können. Aluminium ist die teurere, aber dafür deutlich leichtere Alternative.

Die Aufgabe war, eine bezahlbare, multifunktionale Aluminiumstange zu finden. Es stellte sich heraus, dass dies deutlich schwieriger war als wir angenommen haben. Nichts desto trotz haben wir die Produktion von vier Pfeilern in Angriff genommen. Die Konstruktion besteht aus einer Grundplatte, die mit dem Pfeiler verschraubt wird. Die Säule wird mit Hilfe von vier Schrauben mit der Grundplatte verbunden. Der Trick ist, dass die Säule sich in der Grundplatte verschieben lässt. Wählt man eine geschickte Höhe der Kamera, können die Zielnoten einfach mit Hilfe von Farbmarkierungen auf dem Ausleger abgelesen werden. Das Gewicht der Konstruktion konnte dank dem Einsatz von Aluminium auf 14kg beschränkt werden. Für die Montage benötigt es also wirklich nur zwei Mann.

Am Freitag 3. Juni konnten wir einige Vertreter der 7er-Club Vereine zu einer ersten Demonstration begrüssen. Die Rückmeldungen unserer Kollegen haben uns auf verschieden Schwachpunkte aufmerksam gemacht. Der Einsatz des Transporteurs zur Winkelmessung war sehr umständlich. Wie bewerten wir die Anpraller? Am Pfeiler unser Schiffsverhängung stellt sich diese Problem nicht, aber wie sieht das bei den Pfeilern der Autobahnbrücke aus? Ein Schiff, das den Pfeiler vom Wasser her touchiert, kann weder gesehen noch gehört werden. Das Gute war, dass sich die Grundkonstruktion inklusive der Kamera bewährt hat. Der grosse Vorteil für die Kampfrichter ist, dass die Fahrt der einzelnen Fahrerpaare auf einem Laptop aufgezeichnet wird. Der Kampfrichter kann sich den entscheidenden Moment mehrfach anschauen. Aus dem entsprechenden Standbild lassen sich die Distanznote und der Winkel relativ einfach ablesen. Auch bei einem Boot, das zum Beispiel unter dem „5er“ durchfährt, lässt sich der Winkel auch noch zuverlässig bestimmen. Die Anwesenden waren zufrieden.

Wir hatten noch drei Monate bis zum 7er-Club-Endfahren um eine brauchbare Auswertung der Anpraller zu erfinden.

Die erste Idee war ein Spiegel, wobei die Kamera „um die Ecke“ schaut. Diese Lösung konnte bereits beim ersten Versuch wieder verworfen werden. Im Spiegel war nach wenigen Minuten starkem Regen nichts mehr zu sehen.

Ein weiter Versuch wurde mit einer Infrarot-Distanzmessung unternommen, diese war aber zu ungenau und auch nicht für den Betrieb mit den Booten geeignet.

Diverse andere Versuche sind kläglich gescheitert. Nach diesen Rückschlägen wurden Ideen mit einer mechanischen Anzeige mit „Glöggli“ diskutiert. Auch diese Idee lies sich nicht sinnvoll umsetzen.

Ein viel versprechender Ansatz war der Einsatz mechanischer Vibrationssensoren. Diese Sensoren wurden auf Bretter geschraubt die mit Hilfe von Montageschienen an die Pfeiler geschraubt wurden. Der Sommer war schon weit fortgeschritten und wir waren eigentlich bereit unsere Kollegen zu empfangen.

Aber eben auch nur eigentlich. Denn am 23. August stieg der Rhein um rund 2,5 m an. Ein Wettfahren konnte unter diesen Bedingungen nicht durchgeführt werden. Es machte sich die grosse Ernüchterung breit. Wir haben viel Geld und enorm viel Zeit investiert. Sollte dies alles im Hochwasser ertrinken? Wir mussten vor den Gewalten der Natur kapitulieren. Das 7er-Club Endfahren 2005 wurde abgesagt und auf den 9. September 2006 verschoben.

Die erste Bewährungsprobe hatte unsere Installation im Rahmen des Familienendfahrens. Allerdings war der Wasserstand nach wie vor dermassen hoch, dass es niemand geschafft hat in die Nähe einer guten Zielnote zu kommen. Von Anprallern war also gar keine Rede. Trotzdem, es hat sich gezeigt, dass sich unsere neuen transparenten Schablonen sehr gut einsetzen lassen. Die folgenden Bilder zeigen einerseits die Funktionsweise der Schablone (grosses Bild), andererseits die Funktion der „Ampel“ (oberes Bild Berührung der Ecke -2 Punkte, unteres Bild Berührung der Pfeilerseitenwand -3 Punkte, siehe Pfeile).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im letzten Winter haben weitere Verbesserungen entwickelt und ausprobiert. Die neuen Beschleunigungssensoren sind nicht mehr mechanisch und können sich darum nicht mehr durch die dauernden Vibrationen der Autobahnbrücke verstellen. Dies hat allerdings zur Folge, dass sich der Aufwand an Elektronik deutlich vergrössert hat. Das Schema des ersten Entwurfs wurde auf einem Bierdeckel gezeichnet, das aktuelle Schema lässt sich auch auf einem A3 Blatt kaum mehr lesen. Die einzelnen Sensoren lassen sich separat einstellen. Die Empfindlichkeit konnte massiv erhöht werden.

Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Nach den Schweizermeisterschaften haben wir mit der Vorbereitung des 7er-Club Endfahrens begonnen. Trotz einiger Hektik konnten wir den Anlass plangemäss vorbereiten.

Am 9. September um 8Uhr morgens war es dann so weit. Die ersten „richtigen“ Wettkämpfer gingen auf die Strecke. Es war ein besonderer Moment.

eine Weltpremiere

Das Wettfahren konnte dank der Unterstützung der Helfer und Kampfrichter im Zeitplan und zur Zufriedenheit aller durchgeführt werden. Eine riesige Spannung hat sich gelöst, als der letzte Weidling den Parcours abgeschlossen hatte.

Die ausgezeichnete Stimmung und die grosse Anzahl Wettkämpfer in unserem Beizli, zeigten uns, dass wir einen guten und fairen Wettkampf durchführen konnten. Die Strecke war schwieriger als einige erwartet hatten, und hat auch dementsprechend selektioniert. An dieser Stelle möchte ich den Siegern noch einmal gratulieren, eure tollen Leistungen haben diesen wunderschönen Tag gekrönt. Es stellt sich nun natürlich die Frage wie weiter?

Wir haben einen ganzen Katalog an Fragen bzw. möglichen Verbesserungen zusammengestellt:

* Im Bereich der Kameras wäre es wünschenswert „wireless“ Kameras zu haben, das langwierige Kabelverlegen entfällt damit

* Die Anprall-Elektronik muss jeweils neu einjustiert werden, wenn die Anprallbretter dem Wasserstand angepasst werden, da die Beschleunigungssensoren durch die Erdanziehung beeinflusst werden.

* Der Akku zur Versorgung der Elektronik und der Kamera hält nur rund 10 Stunden, bei einem ganztägigen Wettkampf muss der Akku gewechselt oder ein grösserer eingesetzt werden.

* Wie decken wir den Ausfall einer Komponente ab? (Kamera, Elektronik, Laptop) Im Prinzip lässt sich alles redundant ausführen, dies ist aber eine Preisfrage.

 

Wir sind sicherlich noch nicht am Ziel, aber wie heisst es so schön:

„Der Weg ist das Ziel.“

 

Wir sehr an Deinen Gedanken, Ideen und Vorschlägen interessiert. webmaster

 

Letzte Änderung: 6.12.2006